Zu Besuch im Berchtesgadener Land – ein Reisebericht

„Wer die Berge kennt, weiß um die Sehnsucht“

(Ludwig Ganghofer)

Zurück zur Natur

Ich frage mich, ob es irgendjemanden gibt, der das Berchtesgadener Land nicht wunderschön findet. Die gesamte Region versetzt Besucher in Verzückung – und ich bin eine von ihnen. Zuletzt habe ich meinem Mann die Region gezeigt, um meine Faszination mit ihm zu teilen und er hat sich in dieses Fleckchen Erde mindestens so sehr verliebt wie ich. Eine Reise empfiehlt sich für alle, die Erholung suchen, den Kopf freibekommen und sich mit der Natur verbinden möchten.

Unsere Unterkunft – Das Rehlegg

Wir hatten das Glück, mit einer ultimativen Empfehlung für eine Unterkunft anzureisen. Das 4-Sterne-Superior-Hotel Das Rehlegg in Ramsau hat unsere Erwartungen voll und ganz übertroffen. Schon die Anreise entpuppte sich als echtes Highlight: Gäste fahren mit dem Auto eine kleine Anhöhe hinauf und genießen bereits vom Parkplatz aus einen sagenhaften Blick auf den 2.713 Meter hohen Watzmann und die umliegenden Berge.

Über die Sauberkeit im Hotel oder die Freundlichkeit der Mitarbeiter zu schreiben, wäre in diesem Fall fast eine Beleidigung – das Niveau ist hier einfach sehr hoch. Unser Zimmer mit Blick auf den Outdoor-Pool war fantastisch. Die kleine eigene Sauna nach Wanderungen war ein echter Zugewinn (auf die Zimmerkategorie achten).

Neben der sensationellen Anlage und Ausstattung hat uns das Hotel vor allem mit seiner überragenden Kulinarik begeistert. Jeden Morgen kam der große Foodtruck und lud frische Lebensmittel aus der Region ab. Die Küche ist außergewöhnlich kreativ, gesund und nachhaltig, die Auswahl an Speisen einzigartig.

Exzellenten Service konnten wir jeden Morgen beim Frühstück live erleben, denn liebevoll bemalte Frühstückseier mit witzigen Motiven, eine Saftpresse samt Gemüsekorb für den ultimativen Vitaminkick sowie eine tolle Getränkeauswahl sorgen direkt für gute Laune. Dabei wurde auch an all jene gedacht, die morgens nicht auf ihren Matcha Latte oder ihre Goldene Milch verzichten möchten.

Frühstück hat bei uns grundsätzlich einen hohen Stellenwert, und das Rehlegg hat es uns dadurch sehr leicht gemacht. Ganz zu schweigen von der traumhaften Kulisse, die den Gästen zusätzlich das Essen und Genießen versüßt.

Unser Programm – Sich Treiben lassen

Im Berchtesgadener Land gibt es so viel zu entdecken, dass sich die Tage fast wie von allein gestalten. Zwar wären wir auch glücklich gewesen, einfach im Liegestuhl zu sitzen und auf die Berge zu schauen – doch das können wir auch noch, wenn unsere Knochen irgendwann den Geist aufgeben.

Stattdessen entstand unser Programm von Tag zu Tag, wobei das Wetter so sensationell gut war, dass wir jederzeit maximal flexibel blieben.

1. Tag – Wimbachklamm und Wimbachschloss

Unseren ersten Tag wollten wir entspannt angehen und haben uns eine Attraktion in unmittelbarer Nähe des Hotels ausgesucht. Die Wimbachklamm ist eine der beeindruckendsten Schluchten in den Bayerischen Alpen: laut, nass, wild und wunderschön.

Die Klamm ist etwa 200 Meter lang. Um die besondere Atmosphäre zu genießen und ein paar Fotos zu machen, kann man hier gut 20 Minuten verbringen. Sie liegt direkt am Eingang zum Nationalpark Berchtesgaden, wo wir unsere Wanderung in Richtung Wimbachschloss fortsetzten. Die Berggaststätte war sehr gut besucht und der Garten voll, daher entschieden wir uns, zunächst weiterzuwandern.

Die Landschaft des Alpen-Nationalparks ließ uns wirklich den Atem stocken. Angesichts der hohen Bergwipfel des Watzmanns, des Rotpalfens und des Hochkalters wird man automatisch ehrfürchtig. Als die Energie langsam weniger und der Hunger größer wurde, kehrten wir um – aber vollkommen beseelt von all den Eindrücken unseres ersten Tages.

2. Tag – Salzbergwerk Berchtesgaden und Königssee

Nach einer ausgiebigen Runde im Pool mit Blick auf den Watzmann und einem herrlich entspannten Frühstück fiel unsere Wahl auf das Salzbergwerk Berchtesgaden. Das Salzbergwerk ist wirklich spannend und sehr gut gemacht. Wer nur ein trockenes Museum erwartet, wird positiv überrascht.

Mit einer kleinen Bahn geht es tief in den Berg. Besonders lustig sind die beiden Bergmannsrutschen, die früher den Arbeitsweg erleichtern sollten und heute für Besucher ein echtes Highlight darstellen. Eine weitere Inszenierung ist die Bootsfahrt über einen unterirdischen Salzsee.

Damit die eigene Kleidung sauber bleibt, bekommen alle Gäste einen Arbeits-Overall. Diese Schutzkleidung sorgt zudem dafür, dass man bei konstanten 12 Grad nicht friert. Die Führung dauert etwa 90 Minuten, sodass wir danach noch genug Zeit hatten, uns eine zweite Attraktion auszusuchen – und es war genau die richtige Zeit für den Königssee.

Das wohl bekannteste Fotomotiv des Berchtesgadener Lands wirkt auch live und in Farbe wie eine surreale Traumwelt. Wir lösten Tickets für eine Bootstour und genossen die Aussicht auf einen der klarsten Seen Europas. Die mächtigen Felswände am Ufer erinnern fast an norwegische Fjorde. Dank moderner Elektroboote ist die Überfahrt angenehm ruhig.

Während der Fahrt wird einmal kurz Trompete gespielt, um das legendäre Echo zu demonstrieren. Leider hatten wir keinen meisterlichen Trompeter an Bord, aber auch die schiefen Töne sorgten für Heiterkeit. Wir stiegen am Westufer aus, wo sich die Wallfahrtskirche St. Bartholomä befindet – direkt unterhalb der Watzmann-Ostwand. Postkartenmotive finden sich hier zuhauf.

Man sollte unbedingt genug Zeit einplanen, um im herrlichen Biergarten zu verweilen. Mit Herbstsonne und Heißgetränk rückt der Stress in weite Ferne.

3. Tag – Salzburg, der Klassiker

Da wir ja so eine tolle Stadt direkt vor der Nase hatten, haben wir sie natürlich auch unbedingt besucht. Das österreichische Salzburg liegt nämlich nur etwa 25–30 Kilometer von Ramsau entfernt, sodass die Fahrt mit dem Auto lediglich rund 30–40 Minuten dauert und dabei schon sehr entspannend ist.

Auch dort haben wir bewusst nichts vorgeplant, sondern uns einfach treiben lassen – und es ist wirklich erstaunlich, wie viel man auf diese Weise trotzdem sieht. Unser erster Stopp war das Schloss Mirabell mit dem Mirabellgarten, wo uns vor allem die ausgestellten Trolle besonders angetan haben. Von dort aus ging es dann weiter zu Mozarts Wohnhaus, das wir durchaus interessant fanden.

Wie viele andere Besucher auch sind wir allerdings an Mozarts Geburtshaus gescheitert, denn die Schlange war einfach zu lang. Außerdem hatten wir nach einem kurzen Blick auf die Bewertungen ein wenig den Eindruck, dass hier mit relativ wenig Inhalt sehr viel Geld umgesetzt werden soll. Deshalb entschieden wir uns stattdessen für einen entspannten Altstadtbummel und anschließend für einen Besuch der Festung Hohensalzburg, die wir bequem mit der Festungsbahn erreichten. Vor allem die Ausblicke von oben sind wirklich absolut lohnenswert.

4. Tag – Der Jenner ruft!

Es wurde höchste Zeit, wieder unsere Hufe zu bewegen, und der Besuch des 1.874 Meter hohen Jenners war dafür genau das Richtige. Der Jenner liegt oberhalb des Königssees an der Grenze zu Österreich. Von oben hat man eine fantastische Sicht auf den Watzmann, das Steinerne Meer und die Alpen.

Mit der Jennerbahn gelangten wir bequem nach oben. Wir hatten Traumwetter und konnten den Gipfel entspannt erklimmen. Am Gipfelkreuz herrschte etwas Betrieb, was jedoch kaum störte. Auf der Strecke waren wir oft allein und haben die Schönheit der Naturkulisse in Ruhe genossen.

Der Abstieg zog sich etwas, doch unterwegs gab es mehrere Einkehrmöglichkeiten. Auch wir machten es uns in der Sonne bequem und schnabulierten ein leckeres Mittagessen. Die Tour auf den Jenner würden wir jederzeit wiederholen – wir empfanden sie als sehr spektakulär und empfehlen sie allen unseren Freunden.

5. Tag – Dokumentationszentrum Obersalzberg und der Ramsauer Zauberwald

Am Vormittag entschieden wir uns, noch etwas für unsere Bildung zu tun, und besuchten das neue Dokumentationszentrum Obersalzberg. Die Ausstellung bietet tiefe Einblicke in die Geschichte des Obersalzbergs als Machtzentrum des Nationalsozialismus, insbesondere in die Rolle Adolf Hitlers.

Einige historische Orte sind heute leider nicht mehr zugänglich, was ich persönlich sehr schade finde. Dafür gibt es jedoch begehbare originale Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg, in denen auch Stimmen von Opfern des Nationalsozialismus zu Wort kommen. Derweil wurde der Berghof, Hitlers Wohnhaus, nach dem Krieg vollständig zerstört, sodass Interessierte heute nur noch wenige Spuren sowie einzelne Grundmauerfragmente finden.

Trotzdem lohnt sich ein Besuch, denn er bietet Raum, um das Gesehene nachwirken zu lassen. So verfügte das Wohnhaus Hitlers einst über ein riesiges Panoramafenster mit Blick auf den 1.973 Meter hohen Untersberg – dem sagenreichsten Berg der Alpen. Auch heute noch lässt sich dieser von einem angrenzenden Waldstück aus gut sehen.

Eigentlich hätten wir auch gern das Kehlsteinhaus besucht, doch das gestaltete sich schwieriger als gedacht. Eine Wanderung hätte zwei bis drei Stunden gedauert, und zusätzlich empfanden wir die Sonderbuslinie 849 als überteuert, denn für lediglich 20–25 Minuten Busfahrt kostet das Ticket für eine erwachsene Person 31,90 € (Hin- und Rückfahrt). Das wiederum konnte ich nicht tun – meine schwäbische Urgroßmutter hätte sich sonst im Grab umgedreht.

Den zweiten Teil des Tages verbrachten wir im Ramsauer Zauberwald. Wir waren sehr dankbar, das noch entdeckt zu haben, denn die Natur tobt dort wirklich in ihrer ganzen Kraft. Was für ein magisches Waldstück! Der Zauberwald entstand vor etwa 3.500 Jahren durch einen gewaltigen Bergsturz. Riesige Felsblöcke liegen seitdem im Wald verteilt. Es handelt sich um einen uralten Bergmischwald mit Bächen, Holzstegen und schmalen Pfaden, am Ende wartet der mystisch wirkende Hintersee mit kristallblauem Wasser. Im Herbst erlebt man hier eine wahre Farbexplosion.

Fazit

Die An- und Abreisetage habe ich in diesem Reisebericht außen vor gelassen. Insgesamt haben wir uns eine Woche gegönnt, und es hätte gerne länger sein dürfen. Die Region gibt sehr viel her und zu einer echten Entschleunigung gehören für uns ein paar Faulenzer-Tage dazu. Das Rehlegg ist zudem ein so schönes Hotel, dass man dort problemlos sich in die Sonne legen und ein gutes Buch lesen kann, ohne sich zu langweilen.

Berchtesgaden, wir kommen bald wieder!

Lust auf noch mehr Berge? Dann schau‘ bei unserem Reisebericht ins Trentino rein.

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Bildnachweis: ©Linda Schober

Hast Du einen Ausflugstipp für das Berchtesgadener Land? Schreib es uns in die Kommentare. 

4 Gedanken zu „Zu Besuch im Berchtesgadener Land – ein Reisebericht“

  1. Ein sehr schön geschriebener und umfassender Reisebericht mit tollen Bildern! Da bekommt man Lust auf das Berchtesgadener Land! Selbst wer kein Wanderer ist, möchte dort mal (wie im Ramsauer Zauberwald) herumkraxeln. Dankeschön!

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  2. Ich habe heute deinen Reisebericht gelesen und kann nur bestätigen wie schön es da ist. Wir waren schon 2 mal am Königssee und kennen die Orte an denen ihr gewesen seid. Es ist wunderschön dort. Es war toll noch mal zu lesen, wo wir unterwegs waren.

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    • Hallo, liebe Simone, vielen Dank für Deinen Kommentar. Freut mich, dass Du Eure Reisen darin wiederfinden konntest. Die Ecke ist so traumhaft, da würde ich auch jederzeit wieder hinreisen – trotz der langen Autofahrt. Herzliche Grüße und ein schönes Osterfest

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