„Schenke deinem Glück mehr Aufmerksamkeit“ (Osho)
Erste Berührungen mit Ayurveda
Vor meiner ersten Panchakarma-Kur auf Sri Lanka im Mai 2013 hatte ich nur wenig Erfahrung mit Ayurveda. Aber von dem Moment an, als es aufkam, übte es eine riesige Faszination auf mich aus. Mit Bewunderung sehe ich Menschen an, die es schaffen, ganz selbstverständlich nach den ayurvedischen Prinzipien zu leben.
Auf meinen Reisen hatte ich oft das Gefühl, dass Inder oder Singhalesen ganz anders mit Kräutern, Gewürzen und Lebensmitteln umgehen als wir. Wahrheiten über die Konstitution einer Person werden dort sehr direkt ausgesprochen. Unreine Haut, Übergewicht, Augenränder, Körpergeruch, Libido – alles wird gemeinsam betrachtet, um eine Lösung zu finden oder einen Rat zu geben. Von dieser Offenheit wären manche Menschen bei uns wohl vor den Kopf gestoßen.



Die Bedeutung von Ayurveda
Ayurveda ist ein jahrtausendealtes, ganzheitliches Gesundheitssystem aus Indien. Der Name setzt sich aus „Ayur“ (Leben) und „Veda“ (Wissen) zusammen – also: das Wissen vom Leben.
Im Kern geht es darum, Körper, Geist und Seele in Balance zu halten und Krankheiten vorzubeugen. Ayurveda ist daher nichts, das man hin und wieder praktiziert, sondern ein Alltagszustand.
Mein persönlicher Wendepunkt
Wie bei vielen Menschen, die ich kenne, kam Ayurveda zu mir in einer Lebensphase, die nicht leicht war. Ich schälte mich gerade aus einer unglücklichen Beziehung, schlief nachts kaum, und durch die Unruhe wurde ich immer dünner.
Dann hatte ich so etwas wie eine Erscheinung. Eine Kollegin hatte eine Panchakarma-Kur gemacht und schwebte nach ihrem Urlaub zurück ins Büro. Sie sah völlig verändert aus. Mich beeindruckten ihre Ausstrahlung, ihre Freude und ihre Vitalität sehr. Ich löcherte sie mit Fragen, fuhr nach Hause und buchte noch am selben Tag exakt diese Reise.
Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich mit dem Hotel und dem gesamten Setup direkt einen Glückstreffer hatte und Ayurveda auf sehr hohem Niveau erleben durfte. Für mich bedeutet das keinen oberflächlichen Luxus, sondern gelebte Qualität.
Allein nach Sri Lanka
Ohne Begleitung nach Sri Lanka zu fliegen war wunderbar. Keine Ablenkung, keine Kompromisse, kein Müssen – schon der Start fühlte sich leicht an.
Am Bandaranaike International Airport wurde ich von einem Fahrer abgeholt und zu meinem Ayurveda-Resort südlich von Colombo gebracht. Das Resort lag direkt am Meer und hatte eine ganz besondere Atmosphäre. Besonders mochte ich die geringe Zimmeranzahl. Der Fokus verändert sich, wenn maximal zwölf Gäste anwesend sind. Während meiner Zeit waren es nie mehr als acht Personen gleichzeitig.



Ankommen im Sign of Life Resort
Nach meiner Ankunft wurde ich herzlich empfangen und bezog das Einzelzimmer Nummer 8, etwas abgeschieden, mit Blick auf Palmen und das Meer. Das Zimmer war spartanisch eingerichtet, aber sehr sauber – genau das Richtige, um zur Ruhe zu kommen.
Die Anlage war bezaubernd. Mehrere Gärtner arrangierten täglich neue Blumenarrangements und sorgten dafür, dass ein angenehmer Duft in der Luft lag.
Am nächsten Morgen stand der Termin beim Ayurveda-Arzt an. Ohne Zeitdruck stellte er mir viele Fragen zu meinen Gewohnheiten, meiner Lebenssituation und meinen Beschwerden. Er füllte Bögen aus, nahm Blutdruck und Puls, stellte mich auf eine Waage und legte am Ende fest, wie meine Panchakarma-Kur gestaltet werden sollte, welche Mittel ich bekam und wie mein Speiseplan aussah. Dann verriet er mir meinen Dosha-Typ: Vata-Pitta.
Die drei Doshas
Ayurveda geht davon aus, dass jeder Mensch eine individuelle Konstitution hat. Diese wird durch drei Lebensenergien bestimmt, die sogenannten Doshas:
Vata – Bewegung, Nervensystem, Kreativität
Pitta – Stoffwechsel, Verdauung, Energie
Kapha – Stabilität, Struktur, Immunsystem
Jeder Mensch trägt alle drei Doshas in sich, jedoch in unterschiedlicher Balance. Wahre Gesundheit bedeutet, dass alle drei im Gleichgewicht sind – was bei den wenigsten Menschen der Fall ist. Häufig dominieren zwei Doshas.
Mein Dosha-Typ, der sich bis heute nicht verändert hat, ist Vata-Pitta. Ziel für mich ist es also, mehr Kapha-Anteile zu integrieren um mehr in mein Gleichgewicht zu kommen.
Mein individueller Behandlungsplan
Das Ergebnis meines Behandlungsplans war auf den ersten Blick ernüchternd.
Kein Shirodhara-Stirnölguss – zu aufregend für mich.
Fisch, Gewürze und Chutneys sind zu vermeiden – ebenfalls zu intensiv.
Dampfbäder verboten – zu stark.
Für andere Gäste war Shirodhara das Erlebnis schlechthin und die facettenreiche ayurvedische Küche ein Traum. Ich fühlte mich durch diese Entscheidungen jedoch nicht wirklich benachteiligt, sondern eher gesehen. Reduktion war genau das, was sich für mich zu diesem Zeitpunkt richtig anfühlte.
Ein Highlight war, dass das Essen individuell für jeden Gast gekocht wurde. Das ist keineswegs selbstverständlich. Viele Ayurveda-Resorts sind groß und arbeiten mit Buffets, bei denen die Gäste selbst entscheiden müssen, was für ihr Dosha geeignet ist. Ich mochte den kleinen, persönlichen Rahmen sehr und dass mir diese Entscheidung abgenommen wurde.



Der Tagesablauf meiner Panchakarma-Kur
Ein gewöhnlicher Tag sah wie folgt aus: Yoga oder Tai Chi, Frühstück, Massagen und Anwendungen, Mittagessen, Freizeit und Abendessen.
Für Yoga und Tai Chi kam ein außergewöhnlich guter Lehrer ins Hotel. Er war buddhistischer Mönch und verblüffte die Teilnehmer regelmäßig mit tiefen Einsichten über ihren Zustand. Beim Yoga legte er großen Wert darauf, dass die Fenster geschlossen waren und sich Hitze im Raum aufbaute – was einen erstaunlich positiven Effekt auf die Muskulatur hatte.
Tai Chi mit ihm war ein Erlebnis, das ich bis heute im Alltag vermisse. Ich hatte oft das Glück, alleine mit ihm zu üben, da diese Bewegungsform bei den Gästen weniger beliebt war. Bis heute verstehe ich nicht warum. Die Energien, die beim Tai Chi spürbar wurden, lösten sehr starke Reaktionen bei mir aus. Die Qi-Wahrnehmung war vom ersten Tag an da – ich konnte imaginäre Gegenstände, wie etwa einen Ball zwischen meinen Händen, deutlich fühlen.



Gemeinschaft und stille Begegnungen
Besonders schön war auch das Gemeinschaftsgefühl, das in diesem kleinen Resort entstand. Abends tauschten sich die Gäste über ihre Erlebnisse aus. Wir saßen nie an einzelnen Tischen, sondern immer zusammen.
Ich freundete mich auch mit zwei Singhalesen an. Chamodi war eine der Ayurveda-Therapeutinnen und strahlte viel Empathie und Wärme aus. Sajith, ebenfalls ein Therapeut, wurde Teil meines Abendrituals. Wenn alle anderen schon schliefen, saßen wir auf den Treppenstufen oder den Steinen am Meer und hörten Musik. Ohne zu reden tauschten wir unsere Kopfhörer. Er zeigte mir singhalesische Musik, ich ihm westliche. Dass wir nicht sprachen, lag einfach daran, dass er kein Englisch verstand und ich kein Singhalesisch. Doch genau das machte diese Momente so besonders.
Panchakarma - die Reinigung
Panchakarma ist eine klassische ayurvedische Reinigungskur, die Körper und Geist tiefgehend entlasten und neu ausrichten soll. In einer vorbereitenden Phase wird der Organismus durch Ölbehandlungen, Wärme und eine angepasste, leichte Ernährung darauf eingestimmt, eingelagerte Belastungen zu lösen.
Das Herzstück bildet anschließend eine gezielte innere Reinigung, bei der – individuell abgestimmt – unter anderem eine Darmreinigung mit einem ayurvedischen Abführmittel durchgeführt wird. Den Abschluss bildet eine Aufbauphase mit Ruhe, schonender Kost und Stabilisierung. Panchakarma ist weniger Wellness als vielmehr ein therapeutischer Neustart.



Herausforderungen während der Kur
Am Ende der ersten Woche ließ ich mich von einer ebenfalls allein reisenden Frau zu einem kurzen Ausflug nach Galle überreden. Als wir abends ins Resort zurückkehrten, bekam ich plötzlich einen starken Ausschlag.
Es war nach Mitternacht, fast alle schliefen. Sajith war der Einzige, der noch wach war, und rief sofort den Ayurveda-Arzt an. Dieser gab ihm telefonisch Anweisungen. So saß ich in der Küche auf einem Stuhl, während Sajith über mir Kokospalmenblätter verbrannte. Die Rauchentwicklung war enorm.
Am nächsten Morgen kam der Arzt und entschied, dass ich vorerst keine Ölmassagen mehr bekomme.
Kurz darauf stand der Höhepunkt der Panchakarma-Kur an: die Darmreinigung. Am Abend bekamen wir kleine Kügelchen, die wir vor dem Schlafengehen einnahmen. Uns stand eine lange Nacht auf der Toilette bevor. Irgendwann hörte man überall die Toilettenspülungen, was die Situation fast schon komisch machte. Am nächsten Tag tauschten wir müde aber humorvoll unsere Erfahrungen aus.



Die letzten Tage und der Abschied
Nun begann die Aufbauphase, die ruhig verlief. Die letzten Tage nutzte ich für einen Besuch auf einer Schildkrötenfarm, eine Bootstour durch einen Mangrovenwald zu einem kleinen Kloster und einen Besuch bei Chamodis Familie. Ihr Mann, ein Tuk-Tuk-Fahrer, holte mich dafür im Resort ab. So bekam ich ganz natürliche, nicht erzwungene Einblicke in das Leben vor Ort.
Der letzte Tag machte mich sehr wehmütig. Der Abschied wurde liebevoll zelebriert. Mir wurde ein Blütenbad vorbereitet, in dem ich so lange bleiben konnte, wie ich wollte. Mein Bett wurde ein letztes Mal geschmückt, und abends tauschten wir uns noch einmal über unsere Erfahrungen aus.
Am nächsten Morgen wartete eine Überraschung: Statt des normalen Transfers brachte mich ein Großteil des Teams persönlich zum Flughafen. Ich fuhr in einem extra organisierten Kleinbus und fühlte mich als Frau jederzeit sicher und beschützt.



Nachklang und kleiner persönlicher Tipp
Zuhause war ich diejenige, die voller Energie und Vitalität durch die Gegend schwebte. Die mir mitgegebene Ayurveda-Medizin war in den folgenden Wochen wie ein kleiner Anker, und die Ruhe und Gelassenheit wirkten lange nach. Zwei Jahre später machte ich diese Reise erneut – und sie war genauso wertvoll.
Leider gibt es das Sign of Life Resort heute nicht mehr. Das Schwesterhotel Spirit of Life ist jedoch weiterhin aktiv und hat einen Großteil des Teams übernommen, ebenso den Ayurveda-Arzt Dr. Nihil. Über die aktuellen Inhaber ist wenig bekannt, doch die Bewertungen sind sehr gut – sicherlich vor allem wegen der Menschen.
Wenn du auch überlegst, eine Ayurveda-Reise zu machen, kann ich dir nur wärmstens ans Herz legen dies allein zu tun. Das Kraftvollste ist eine Panchakarma-Kur ohne Ablenkungen und Kompromisse. Ich habe viele unglückliche, kurz durchreisende Frauen mit Partnern gesehen, die ausgehungert waren nach dieser Erfahrung und ihren Partnern zuliebe nur 2-3 Tage Ayurveda eingeplant hatten. Lern‘ dich selbst kennen und zieh‘ es einfach durch.
Wenn Du mehr über Ayurveda erfahren möchtest, schaue gern in unsere Beiträge Ayurveda verstehen – die Grundlagen kompakt oder Die wichtigsten Anwendungen im Ayurveda.
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FAQ – Häufig gestellte Fragen zur Panchakarma-Kur auf Sri Lanka
Die Dauer beträgt in der Regel 14 – 28 Tage. Für den Körper ist eine längere Kur besser, um wirklich Zeit für die drei Phasen (Vorbereitung, Reinigung und Aufbau/Stabilisierung zu haben.
Im Ayurveda bleibt die Grundkonstitution gleich, doch das Dosha-Gleichgewicht verändert sich durch Lebensphasen, Jahreszeiten und Lebensstil – und kann jederzeit wieder in Balance gebracht werden.
Ja, durch die sanfte Bewegung, das reduzierte und sehr gesunde Essen, sowie die Anwendungen und Massagen verlieren Gäste oft mehrere Kilos, bei mir waren es 3 Kilo bei einem ohnehin niedrigen Ausgangsgewicht. Aus meiner Sicht ist es aber sinnvoller, sein Verhalten anzupassen, da die unliebsamen Kilos zu Hause schnell wieder zurückkehren.
Jede Reise ist mit einem Risiko verbunden. Auf Sri Lanka gibt es ab und zu politische Unruhen und in der Vergangenheit haben auch Stürme der Insel zu schaffen gemacht. Bei einer Ayurveda-Reise ist das Risiko aber stark minimiert, weil man vom Airport abgeholt und wieder hingebracht wird und vor Ort in der Regel eine sichere Unterkunft hat. Zu keiner Zeit habe ich mich bedroht gefühlt, im Gegenteil. Ein gesunder Menschenverstand ist auf Sri Lanka genauso wichtig wie überall.
Nein. Ayurveda ist kein Ersatz für die Schulmedizin, sondern ein eigenständiges Prinzip mit ganzheitlichem Ansatz. Ayurveda ist ideal als Begleiter für einen ausbalancierten Lebensstil und kann bei chronischen Beschwerden, Erschöpfung, Stress und Verdauungsproblemen gut helfen.
Empfohlen bei Überlastung, Erschöpfung und Stress. Für alle die Zeit in ihre Gesundheit investieren wollen und die offen sind. Die Kur sollte keinesfalls bei akuten Erkrankungen wie Infekten oder Fieber gemacht werden. Auch Schwangeren oder Menschen mit starker körperlicher Schwäche und Esstörungen ist davon abzuraten.
Bildnachweis: ©Linda Schober, Panchakarma-Kur auf Sri Lanka / Bilder sind wegen der hohen Luftfeuchtigkeit auf Sri Lanka z.T. unscharf
Hast Du auch schon mal eine Panchakarma-Kur gemacht? Schreib uns gerne in die Kommentare.